* 16.10.1854
+ 30.11.1900

Irischer Dichter
und Dramatiker


Aphorismen - Eine Auswahl

  • Die Frauen bringen jedes Abenteuer um seinen Duft, indem sie dem flüchtigen Erlebnis Dauer gewähren wollen.
  • Denken ist herrlich, aber noch herrlicher ist die Erregung des Abenteuers.
  • Die Selbstbezichtigung ist auch eine Art Luxus. Wenn wir uns selbst die Schuld geben, glauben wir, niemand sonst habe das Recht, uns die Schuld zu geben.
  • Selbstlosigkeit ist ausgereifter Egoismus.
  • Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.
  • Alle charmanten Leute sind verwöhnt, darin liegt das Geheimnis ihrer Anziehungskraft.
  • Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.
  • Fragen sind niemals indiskret; nur Antworten sind es bisweilen.
  • Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse.
  • Es gibt nur eine Klasse in der Gesellschaft, die mehr an Geld denkt, als die Reichen. Das sind die Armen.
  • Man steht so früh auf, weil man so viel zu tun hat, und man legt sich so früh zu Bett, weil man so gar nichts zu denken hat.
  • Auf unserer Welt gibt es überhaupt nur zwei Arten von Tragödien: Daß man das, was man haben möchte, nicht bekommt, oder daß man es bekommt. Letzteres ist das Schlimmste.
  • Gott wird, wenn er uns strafen will, unsere Gebete erhören.
  • Bigamie ist es, eine Frau zu viel zu haben, Monogamie dasselbe.
  • Bildung ist wunderbar. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit erinnern, daß wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.
  • Was uns als eine schwere Prüfung erscheint, erweist sich oft als Segen.
  • Natürlich zu sein, ist die schwierigste Pose, die man einnehmen kann.
  • Charakterlosigkeit ist ein Mythos, den langweilige Individuen geschaffen haben, um damit die Faszination anderer Leute erklären zu können.
  • Alle charmanten Leute sind verwöhnt.
  • Demokratie ist nichts anderes, als das Niederknüppeln des Volkes durch das Volk für das Volk.
  • Wer nicht auf seine Weise denkt, denkt überhaupt nicht.
  • Zum Glück ist das Denken nicht ansteckend.
  • Es gibt keine Sünde außer der Seichtheit.
  • Gleichgültigkeit ist die Rache, mit der die Welt die Mittelmäßigkeit straft.
  • Wenn ein Mann etwas gänzlich Dummes tut, so ist es stets aus den edelsten Motiven.
  • Zu einer glücklichen Ehe gehören meist mehr als zwei Personen.
  • Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Erfolglosen.
  • Es kommt für jeden der Augenblick der Wahl und der Entscheidung: Ob er sein eigenes Leben führen will, ein höchst persönliches Leben in tiefster Fülle, oder ob er sich zu jenem falschen, seichten, erniedrigenden Dasein entschließen soll, das die Heuchelei der Welt von ihm begehrt.
  • Erfahrung ist der Name, mit dem jeder seine Fehler bezeichnet.
  • Man kann leicht am Leid des Freundes teilnehmen. Viel schwerer fällt es, an seinen Erfolgen Freude zu haben.
  • Nur ein Mann, der seine Rechnungen nicht bezahlt, darf hoffen, im Gedächtnis der Kaufleute weiterzuleben.
  • Gut erzogen zu sein, ist heute ein großer Nachteil. Es schließt einen von so vielem aus.
  • Schicksalsschläge lassen sich ertragen - da ist der blinde Zufall am Werk; man kann nichts dafür. Doch für die eigenen Fehler büßen zu müssen, das ist bitter.
  • In der Wahl seiner Feinde kann man gar nicht vorsichtig genug sein.
  • Lieber mach' ich mir einen Feind, als daß ich auf eine Pointe verzichte.
  • Vergib stets deinen Feinden. Nichts ärgert sie so.
  • Fleiß ist die Wurzel aller Häßlichkeit.
  • Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.
  • Fragen sind immer der Mühe wert, Antworten nicht immer.
  • Fragen sind niemals indiskret; nur Antworten sind es bisweilen.
  • Frauen sind Sphinxe ohne Rätsel.
  • Berechnende Frauen werden lästig, anständige langweilig.
  • Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen.
  • Leute, die sich die Finger verbrennen, verstehen nichts vom Spiel mit dem Feuer.
  • Indiskretion ist etwas, auf das man sich nur bei den wenigsten Frauen verlassen kann.
  • Wenn ein Mann genau das tut, was eine Frau von ihm verlangt, hält sie nicht sehr viel von ihm.
  • Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.
  • Nur die ganz stumpfsinnigen sind beim Frühstück schon geistreich.
  • Das Unerwartete zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist.
  • Nur Leute, die ihre Rechnungen bezahlen, brauchen Geld.
  • Als ich jung war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben, jetzt wo ich alt bin, weiß ich, daß es das Wichtigste ist.
  • Die einzige Gesellschaft, in der man es aushalten kann, ist man selbst.
  • Mit der Gesellschaft zu leben - welche Qual! Aber außerhalb der Gesellschaft zu leben - welche Katastrophe!
  • Ein ewig heiterer Gesichtsausdruck ermüdet uns auf Dauer weit mehr, als ein ständiges Stirnrunzeln.
  • Es kommt darauf an, den Körper mit der Seele und die Seele durch den Körper zu heilen.
  • Gewissen und Feigheit sind dieselben Dinge. Gewissen ist der Handelsname der Firma. Das ist alles.
  • Man sollte nie etwas tun, worüber man nicht nach dem Essen plaudern kann.
  • Man kann immer nett zu jenen sein, die uns nichts angehen.
  • Mir sind Menschen lieber als Prinzipien und Menschen ohne Prinzipien das Liebste auf der Welt.
  • Die Männer heiraten, weil sie müde sind, die Frauen weil sie neugierig sind. Beide werden enttäuscht.
  • Eine Idee, die nicht gefährlich ist, verdient es nicht, überhaupt Idee genannt zu werden.
  • Uneigennützige Menschen sind farblos. Es fehlt ihnen an Individualismus.
  • Zuerst lieben die Kinder ihre Eltern. Nach einer gewissen Zeit fällen sie ihr Urteil über sie. Und selten, wenn überhaupt je, verzeihen sie ihnen.
  • Klatsch ist etwas Reizendes. Geschichte zum Beispiel ist im wesentlichen nicht anderes als Klatsch. Skandalgeschichten hingegen sind ein durch Moralität verdorbener Klatsch.
  • Es ist ein großer Fehler, das Komplimentemachen aufzugeben. Wenn der Mensch nichts Charmantes mehr sagt, hat er auch keine charmanten Gedanken mehr.
  • Wenn jedermann mit mir übereinstimmt, habe ich stets das Gefühl, daß ich unrecht habe.
  • Das ist die Kunst des Gesprächs: Alles zu berühren und nichts zu vertiefen.
  • Solange der Krieg etwas Frevelhaftes hat, behält er seine Faszination. Erst wenn die Menschen in ihm etwas ganz Gewöhnliches sehen, wird ihnen die Lust daran vergehen.
  • Die höchste Form wie die niedrigste Form der Kritik ist eine Art Selbstbiographie.
  • Wenn die Kritiker sich streiten, so beweist dies, daß der Künstler im Einklang mit sich ist.
  • Ein großer Künstler sieht die Dinge niemals so, wie sie sind. Wenn er sie so sähe, wäre er kein Künstler mehr.
  • Man kann die Kunst auf doppelte Weise hassen: Erstens, indem man sie haßt. Zweitens, indem man sie in den Grenzen der Vernunft liebt.
  • Langeweile ist eine Sünde, für die es keine Absolution gibt.
  • Es gibt viele Dinge, die wir am liebsten wegwerfen sollten, fürchteten wir nicht, daß andere sie aufheben.
  • Der einzige Unterschied zwischen einer Laune und der ewigen Liebe besteht darin, daß die Laune etwas länger dauert.
  • Leben - es gibt nichts Selteneres auf der Welt. Die meisten Menschen existieren, weiter nichts.
  • Leben ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt.
  • Sich selbst zu überraschen ist, was das Leben lebenswert macht.
  • Wo Leid ist, da ist geweihte Erde. Eines Tages wird die Menschheit begreifen, was das heißt. Vorher weiß sie nichts vom Leben.
  • Ich habe gelernt, daß nicht das, was ich tue, falsch ist, sondern das, was infolge meines Handelns aus mir wird.
  • Nicht die Vollkommenen sind es, die Liebe brauchen, sondern die Unvollkommenen.
  • Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, sonst nichts.
  • Ich brauche den Luxus. auf das Notwendige kann ich gern verzichten.
  • Am Anfang widersteht eine Frau dem Ansturm eines Mannes, am Ende verhindert sie seinen Rückzug.
  • Männer können analysiert werden, Frauen nur angebetet.
  • Männer wollen immer die erste Liebe im Leben einer Frau sein, Frauen sind gerne die letzte Romanze eines Mannes.
  • Jeder Erfolg, den man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muß mittelmäßig sein, wenn man beliebt sein will.
  • Mode ist so unerträglich häßlich, daß wir sie alle Halbjahre ändern müssen.
  • Jedermann wird als König geboren. Und die meisten sterben im Exil - wie so viele Könige.
  • Die Moral ist immer die letzte Zuflucht von Leuten, die die Schönheit nicht begreifen.
  • Die Anzahl der Neider bestätigt unsere Fähigkeiten.
  • Ein Pessimist ist einer, der, wenn er die Wahl zwischen zwei Übeln hat, beide wählt.
  • Wer zwischen Seele und Körper einen Unterschied sieht, besitzt keines von beiden.
  • Wenn eine Persönlichkeit mich fesselt, wird jede Form des Ausdrucks an ihr zum Genuß.
  • Die Zigarette ist das vollständige Urbild des Genusses: Sie ist köstlich und läßt uns unbefriedigt.
  • Es gibt nur etwas, das schlimmer ist als Ungerechtigkeit, und das ist Gerechtigkeit ohne Schwert in der Hand. Wenn Recht nicht Macht ist, ist es Übel.
  • Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
  • Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.
  • Manche Richter sind so stolz auf ihre Unbestechlichkeit, daß sie die Gerechtigkeit vergessen.
  • Schön sind nur die Dinge, die uns nichts angehen.
  • Die Seele kommt alt zur Welt, aber sie wächst und wird jung. Das ist die Komödie des Lebens. Der Leib kommt jung zur Welt und wird alt. Das ist die Tragödie unseres Daseins.
  • Nur die Oberflächlichen kennen sich selbst.
  • Was man die Sünde nennt, ist ein wesentliches Glied in der Kette des Fortschritts. Ohne sie würde die Welt zum Sumpfe, würde sie alt und farblos. Durch ihre Einzigkeit schon vermehrt die Sünde die Erfahrung einer Rasse. Durch die starke Betonung der Individualität rettet sie uns vor der Einförmigkeit des Typus.
  • Eine feinfühlige Person ist eine Person, die immer anderen auf die Füße tritt, weil sie selbst Hühneraugen hat.
  • Taktlosigkeit ist der Entschluß, etwas zu sagen, was alle denken.
  • Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.
  • Tätigkeit ist der letzte Ausweg jener, die nicht verstehen zu träumen.
  • Kein Zweifel, der Hund ist treu. Aber sollen wir uns deshalb ein Beispiel an ihm nehmen? Er ist doch nur dem Menschen treu und nicht dem Hund.
  • Wer treu ist, kennt nur die triviale Seite der Liebe. Nur die Treulosen kennen ihre Tragödien.
  • Vergnügen ist das einzige, wofür man Leben sollte. Nichts altert so schnell wie das Glück.
  • Kein Verbrechen ist gewöhnlich, aber Gewöhnlichkeit ist ein Verbrechen. Gewöhnlich ist das Benehmen der anderen.
  • Ja, ich bin ein Träumer,...denn nur Träumer finden ihren Weg durchs Mondlicht und erleben die Morgendämmerung bevor die Welt erwacht.
  • Es gibt gerechte Menschen und ungerechte. Die gerechten teilen ein.
  • Es ist wichtiger, daß sich jemand über eine Rosenblüte freut, als daß er ihre Wurzel unter das Mikroskop bringt.
  • Eines Menschen Vergangenheit ist das, was er ist. Sie ist der einzige Maßstab, an dem er gemessen werden kann.
  • Niemand ist so reich, sich seine Vergangenheit zurückzukaufen.
  • Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.
  • Ein Gegenstand, der vollkommen schön ist, regt den Künstler nicht an. Es fehlt ihm das Unvollkommende.
  • In der Armut ist der einzige Trost die Verschwendung. Im Reichtum ist der einzige Trost die Sparsamkeit.
  • Nach einem guten Essen könnte man jedem vergeben, selbst seinen eigenen Verwandten.
  • Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.
  • Der einzige Weg, sich einer Versuchung zu entledigen, ist, ihr zu erliegen.
  • Ich verabscheue meine Verwandtschaft. Das kommt vermutlich daher, daß unsereins es nicht ausstehen kann, wenn andere Leute dieselben Fehler haben wie wir.
  • Alle guten Vorsätze haben etwas Verhängnisvolles, sie werden beständig zu früh gefaßt.
  • Gute Vorsätze sind Schecks, auf eine Bank ausgestellt, bei der man kein Konto hat.
  • Vorsicht ist, was wir bei anderen Feigheit nennen.
  • Was ist Wahrheit? In Fragen der Religion jene Anschauung, welche den Sieg errang. In der Wissenschaft bedeutet Wahrheit die jüngste Erfahrung, die eben Aufsehen macht. In der Kunst nennen wir unsere Stimmungen so.
  • Greise glauben alles. Männer bezweifeln alles. Junge wissen alles besser.
  • Wir leben in einer Zeit, die zuviel liest, um weise, und zuviel denkt, um schön zu sein.
  • Der Skeptizismus ist der Anfang des Glaubens.
  • Pünktlichkeit ist der Dieb der Zeit.
  • Heutzutage kennt ein Mensch von allen Dingen den Preis und von keinem den Wert.
  • In Prüfungen stellen Narren Fragen, die Weise nicht beantworten können.
  • Jeder, der unfähig ist zu lernen, hat zu lehren begonnen.
  • Glaubensbekenntnisse werden akzeptiert, nicht weil sie vernünftig sind, sondern weil sie wiederholt werden.
  • Nicht die Kunst spiegelt das Leben, sondern das Leben spiegelt die Kunst wider.
  • Jeder ist der Liebe würdig, nur der nicht, der sich selbst für würdig hält.
  • Wenige Eltern nehmen heutzutage Rücksicht auf das, was ihnen ihre Kinder sagen. Der altmodische Respektvor der Jugend stirbt fast aus.
  • Junge Leute möchten treu sein und sind es nicht. Alte möchten untreu sein und können es nicht.
  • Es bedarf einer vollendet guten Frau, etwas vollendet Blödsinniges zu tun.
  • Die Frauen behandeln uns geradeso, wie die Menschheit ihre Götter behandelt. Sie verehren uns und liegen uns ständig in den Ohren, etwas für sie zu tun.
  • Zu Leuten, an denen einem nichts liegt, kann man immer freundlich sein.
  • Persönlichkeit ist etwas sehr Geheimnisvolles. Ein Mensch läßt sich nicht immer nach seinen Handlungen beurteilen. Er mag sich an die Gesetze halten und dennoch unwürdig sein. Er mag die Gesetze brechen und dennoch edel sein. Er mag schlecht sein, ohne je etwas Schlechtes getan zu haben. Er mag eine Sünde gegen die Gesellschaft begehen und gelangt vielleicht, durch diese Sünde, zu seiner wahren Vollkommenheit.